Nebenwirkungen bei Chemotherapie

Angriff auf Zellen und Nerven

Von Phillip Reershemius · 2015

Chemotherapie wird meist per Infusion verabreicht.

Die Chemotherapie ist derart erfolgreich bei der Behandlung von Krebserkrankungen, dass oft nicht auf sie verzichtet werden kann. Doch sie belastet den Organismus und beinträchtigt die Lebensqualität durch massive Nebenwirkungen wie Neuropathien.

Bei der Chemotherapie greifen Zytostatika menschliche Zellen an, die sich besonders schnell teilen und infolgedessen schnell wachsen. Sie richten sich gegen Krebszellen, aber auch gegen gesunde Zellen im Organismus, zum Beispiel diejenigen, die für das Wachstum von Haaren und Nägeln zuständig sind. Sie fallen während einer Behandlung aus oder nehmen Schaden, wachsen jedoch nach Ende der Therapie schnell nach. Zytostatica wirken stark auf den Körper, darum werden sie in individuell abgestimmten Zyklen verabreicht. Sie werden vom Körper als Giftstoffe wahrgenommen, so dass er versucht, sie abzustoßen; die Folgen sind Übelkeit und Erbrechen. Diese können heute jedoch durch prophylaktisch und begleitend verabreichte Medikamente weitgehend gelindert werden.

Nebenwirkungen: Schaden an Niere, Herz oder Lunge

Zytostatica wirken auch auf das Blut. Die Zahl der für das Immunsystem wichtigen Leukozyten, die weißen Blutkörperchen, kann abnehmen, die Immunabwehr sinkt, Infektionskrankheiten drohen. Sinkt die Zahl der Erythrozyten, also der roten Blutkörperchen, kommt es zu einer Anämie. Einige Zytostatica greifen auch die Niere, das Herz oder die Lunge an und richten dauerhaft Schaden an.

Chemo- und Strahlentherapie sowie der Tumor selbst können ebenso die Nerven schwer schädigen, Mediziner sprechen dann von Neuropathie. In diesem Fall spürt der Patient zunächst ein unangenehmes Gefühl in den Fingerspitzen oder den Fußsohlen, das sich in Richtung der Körpermitte ausbreiten kann. Typisch sind Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Brennen. Manche sind plötzlich besonders empfindlich, andere haben ein taubes Gefühl, als wären die Gliedmaßen eingeschlafen. 

Linderung ja, Heilung nein

Schreitet die Neuropathie weiter fort, so werden die betroffenen Körperstellen unempfindlich gegenüber äußeren Reizen wie Wärme, Kälte oder Schmerzen. In der Folge lässt die Feinmotorik nach, alltägliche Verrichtungen wie schreiben, das Öffnen von Flaschen oder das Abzählen von Münzen werden mühsam. Sind die Füße betroffen, gehen Patienten unsicher, weil das unbewusste Gleichgewicht gestört ist. Neuropathien können auch das Gehirn treffen und Tinnnitus-Geräusche oder Taubheit hervorrufen.

Medikamentös lassen sich Schädigungen der Nerven kaum behandeln, bisher sind keine entsprechenden Versuche durch die Forschung bestätigt worden. Seltene Fälle neuropatischer Schmerzen werden mit dem Wirkstoff Duloxetin sowie mit Antidepressiva und Antikonvulsiva gemildert, die gegen Krämpfe entwickelt wurden. Alle anderen Folgen von Neuropathien können mit Bädern sowie mit Physio-, Ergo- und Elektrotherapie behandelt werden. Das Gewebe wird stimuliert und bewegt mit dem Ziel, die Nerven wieder zu neuem Leben zu aktivieren.

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