Interventionelle Onkologie

Das erkrankte Gewebe im Fokus

Von Nadine Effert · 2017

 Mediziner legt Zugang zur Blutbahn eines Patienten. Thema: Interventionelle Onkologie

Operation, Chemotherapie, Bestrahlung – das sind die drei Säulen der Krebstherapie. Immer häufiger ist von einer vierten Säule die Rede: der interventionellen Onkologie. Eine besonders große Rolle spielt der Einsatz der minimal-invasiven Verfahren bei der Behandlung von Patienten mit Lungen-, Nieren- und Lebertumoren.

Transarterielle Chemoembolisation (TACE), Thermoablation, Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) – hinter diesen für Laien exotisch klingenden Begriffen stecken einige der minimal-invasiven Verfahren der interventionellen Onkologie, dem jüngsten Spezialgebiet der Radiologie. So werden über die Blutgefäße dünne Katheter oder durch die Haut dünne Nadeln eingeführt, um gezielt bösartiges Tumorgewebe zu zerstören. Dabei bedienen sich die Verfahren mitunter bekannten Behandlungsformen, indem zum Beispiel bei der TACE das Chemotherapeutikum direkt in den Tumor gebracht werden oder bei der SIRT der Tumor von innen bestrahlt wird. 

Interventionelle Onkologie: Fehlende oder minimal systemische Nebenwirkungen

Die bildgesteuerten Methoden ermöglichen eine punktgenaue Behandlung von Tumoren bei geringerer Belastung. Ziel ist es, die Auswirkungen auf den Rest des Körpers, genauer gesagt auf gesundes Gewebe, so gering wie möglich zu halten. Ein weiterer Vorteil liegt in der Art des Verfahrens selbst: Der minimal-invasive Zugang senkt das operative Risiko für Patienten und verkürzt gleichzeitig die Dauer der Genesung nach einer Behandlung. Ein positiver Nebeneffekt: Verringerte Krankenhausaufenthalte reduzieren die Kosten. 

Von den minimal-invasiven Verfahren profitieren ausgewählte Patienten mit Leber-, Lungen- oder Nierenkrebs – bei Nichtanschlagen oder bei selektierten Patienten anstelle konventioneller Therapien, bei bereits eingeschränkter Organfunktion, bei inoperablen Tumoren oder als zeitliche Überbrückung zu einer Organtransplantation. Ob der Patient für eines der Verfahren infrage kommt, ist immer eine Einzelfallentscheidung. Sie wird – sofern die interventionelle Radiologie als ergänzende vierte Säule der Krebstherapie im Krankenhaus etabliert ist – interdisziplinär, im Rahmen eines Tumorboards getroffen. 

Studien belegen bessere Prognosen  

Die minimal-invasiven Methoden der interventionellen Radiologie sind mit den üblichen Therapien der Chirurgie, Chemotherapie und Bestrahlung kombinierbar und können meist sogar wiederholt werden, sodass die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung steigen. Zahlreiche Studien belegen eine verbesserte Überlebensrate: So sind beispielhaft beim Leberzellkarzinom mithilfe der TACE sogar in fortgeschrittenen Stadien Fünf-Jahres-Überlebensraten von bis zu 40 Prozent möglich. Mittels Thermoablation, bei der Tumorgewebe gezielt durch Hitze zerstört wird, sind für die Behandlung von kleinen Lebermetastasen des kolorektalen Karzinoms Fünf- und Acht-Jahres-Überlebensraten von fast 50 Prozent zu erreichen.

Quelle: „Krebs in Deutschland“, 10. Ausgabe
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