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Fokusinterview

Ernährung bringt Lebensqualität

Von Universitätsklinikum Münster, Zentrum für Krebsmedizin (CCCM) · 2014

Prof. Markus Masin, Universitätsklinikum Münster

Professor Markus Masin arbeitet am Universitäts­klinikum Münster als Beauftragter für klinische Ernährung und leitet die Ernährungsberatung am Zentrum für Krebsmedizin (CCCM). Außerdem arbeitet er als kommissarischer Studiengangsleiter „Klinische Ernährung“ an der Mathias Hochschule Rheine.

Seit wann befassen Sie sich mit dem Thema „Mangelernährung bei Krebs­patienten“?

Die Mangelernährung bei Krebspatienten verfolge ich seit mehr als 15 Jahren. Inzwischen weiß ich, dass bis zu 35 Prozent aller Krebspatienten schwer mangelernährt sind und häufig auch die Mangelernährung die primäre Todesursache ist. 

Wie ist die Mangelernährung bei Krebs­patienten zu erklären?

Dafür gibt es mehrere Ursachen: Eine Chemotherapie kann das Geschmacksempfinden sehr verändern und zu Übelkeit und Erbrechen führen, sodass die Nahrungsaufnahme deutlich nachlässt. Zudem senden Tumorzellen Stoffe aus, die den Muskel­abbau antreiben. Die Tumorzellen schütten auch Botenstoffe aus, die zu Appetitlosigkeit führen. Es ist ein Teufelskreis: Zur Appetitlosigkeit und den Geschmacksveränderungen kommt die Aktivität des Tumors hinzu, der ebenfalls viel Energie benötigt. Wenn sie nicht mit ausreichender Ernährung entgegenwirken, verhungern die Patienten. 

Wo am Körper zeigt sich Mangelernährung zuerst?

Sie zeigt sich vor allem an den dünnen Armen und Beinen. Auch bei fülligen Patienten schwindet die Muskelmasse, während die Fettschürze länger erhalten bleiben kann. Der beleibtere Krebspatient hat vergleichsweise mehr Reserven und ist länger in der Onkologie therapierbar. Studien haben gezeigt: Je besser der Ernährungszustand des Patienten, desto länger und erfolgreicher kann er gerade bei den Tumoren des Verdauungstraktes behandelt werden. 

Warum ist eine ausreichende Ernährung gerade für Krebspatienten so wichtig?

Onkologische Patienten sind ernsthaft krank, häufig länger in den Therapien und haben oft auch keine günstigen Verläufe. Gerade diese Patienten brauchen viel Kraft. Und Kraft gibt es nur durch Ernährung – nicht durch Chemotherapien. 

Warum spielt die Ernährungstherapie in der Onkologie bislang eine untergeordnete Rolle?

Normalerweise müssten die Onkologen sagen: Ernährungsmedizin ist uns besonders wichtig, weil sich dadurch die Therapierbarkeit der Patienten, die Therapietoleranz und letztlich auch das Behandlungsergebnis verbessert. Das Interesse der Onkologen beschränkt sich jedoch oftmals darauf, den Patienten allein durch Chemo- und Strahlentherapien „gesund“ zu machen oder ihm Lebenszeit zu schenken. Noch besser wäre es, wenn man nicht nur Lebenszeit, sondern auch Lebensqualität geben würde. Ernährung bringt Lebensqualität dadurch, dass man an den alltäglichen Aktivitäten weiter teilnehmen kann. 

Wann empfiehlt sich die enterale Ernährung (Sonden-Ernährung über den Magen-Darm-Trakt), wann die parenterale Ernährung (Aufbauinfusion direkt in die Blutbahn)?

Die enterale Ernährung funktioniert nach meiner Erfahrung sehr gut bei Krebserkrankungen des oberen Verdauungstraktes, etwa bei Speise­röhrenkrebs. Wer hingegen zum Beispiel Magen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs hat, für den bietet sich die parenterale Ernährung als unterstützende Infusionstherapie an. Die enterale und die parenterale Ernährung können übrigens auch kombiniert werden. 

Warum ist mehr Aufmerksamkeit für die parenterale Ernährung bei Tumorpatienten so wichtig?

Weil man der großen Gruppe der Patienten, die enteral nicht zu führen sind, damit entscheidend helfen kann. Die parenterale Ernährungstherapie ist ein wertvolles Werkzeug, um die Lebensqualität des Patienten zu verbessern, ihm zusätzliche Lebenszeit zu geben und nach Möglichkeit die Heilung zu unterstützen. 

Kontakt

Universitätsklinikum Münster, Zentrum für Krebsmedizin (CCCM)
Albert-Schweitzer-Campus 1
48149 Münster
Telefon: +49 (0)251 83-44840
E-Mail: cccm@­ukmuenster.­de
Web: cccm.ukmuenster.de

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