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Fokusinterview

„Metastasen sind kein Todesurteil“

Von Uni­ver­si­tä­res Cen­trum für Tu­mor­er­kran­kun­gen (UCT), Frank­furt · 2014

Prof. Dr. med. Salah-Eddin Al-Batran, UTC, Frankfurt

Prof. Dr. med. Salah-Eddin Al-Batran ist Ärztlicher Direktor des Instituts für klinisch-onkologische Forschung (IKF) am Krankenhaus Nordwest, UCT-University Cancer Center in Frankfurt am Main. Der Krebs-Spezialist berichtet über neue Entwicklungen in der Medizin und neue Therapiemöglichkeiten von Tumoren an den Verdauungsorganen.

Wie unterscheiden sich Tumoren der Verdauungsorgane und welche Gemeinsamkeiten haben Sie?

Zu den Karzinomen der Verdauungsorgane werden solche gezählt, die im Speiseröhren-Magen-Darmtrakt einschließlich der Bauspeicheldrüse, den Gallenwegen und der Leber entstehen können. Dabei handelt sich um sehr unterschiedliche Krebsarten, hinsichtlich der Häufigkeit, der Therapie und der Prognose. Der häufigste Tumor-Typ, Darmkrebs, hat mit 40 bis 60 Prozent Heilungschancen die beste Prognose. Speise­röhren-, Magen-, und Bauchspeicheldrüsenkrebs haben leider eine schlechtere Prognose. 

Woran liegt das?

Aufgrund ihrer besonderen anatomischen Lage neigen die zuletzt genannten Krankheiten dazu, frühzeitig Metastasen zu bilden. Im Frühstadium machen sie außerdem kaum Beschwerden. Erst im Spätstadium treten Beschwerden wie Schluckstörungen und Gewichtsabfall bei Speiseröhren- und Magenkrebs beziehungsweise Gelbsucht oder Schmerzen beim Speicheldrüsenkrebs auf. Daher werden Sie leider meist erst spät erkannt. Eine Früherkennung wäre im Prinzip daher wichtig. 

Welche sind aus ihrer Sicht die vielversprechendsten Entwicklungen bei der Behandlung?

Die wichtigste Entwicklung auf diesem Gebiet ist meines Erachtens die zunehmende Interdisziplinarität in der Diagnostik und Behandlung. Darunter versteht man den Einsatz von therapeutischen und diagnostischen Methoden verschiedener Fachrichtungen. Es gibt außerdem einen Trend, neue Medikamente frühzeitiger, das heißt direkt vor, beziehungsweise nach der Operation, einzusetzen, um die Bildung von Metastasen zu verhindern. So kann eine Heilung und nicht nur eine Lebensverlängerung herbeigeführt werden. 

Welche Behandlungsneuheiten gibt es beim Magen- und Speiseröhrenkrebs?

Die Heilungschancen können durch den Einsatz einer Chemotherapie oder einer Strahlenchemotherapie vor der Operation deutlich verbessert werden. Patienten mit Magen- oder Speiseröhrenkrebs sollten daher vor der Operation immer in einer Tumorkonferenz besprochen werden. Auch die Operationstechniken haben sich weiterentwickelt. In vielen Kliniken können komplexe chirurgische Eingriffe innerhalb des Bauchraumes minimal-invasiv erfolgen. Dies ist mit weniger Schmerzen und einer kürzeren Liegedauer im Krankenhaus verbunden. Sehr frühe Stadien von Speiseröhren- und Magenkrebs können sogar endoskopisch (ohne Operation) entfernt werden. 

Gibt es Hoffnung für Patienten, bei denen der Krebs bereits Metastasen gebildet hat?

Ja, auf jeden Fall. Metastasen sind inzwischen nicht automatisch ein Todesurteil. Bei Darmkrebs können bei ausgewählten Patienten Leber- und selbst Lungenmetastasen chirurgisch entfernt werden. Der Patient hat eine realistische Heilungschance. Beim Magen- und Speiseröhrenkrebs haben wir eine deutschlandweite Studie durchgeführt, die sogenannte FLOT3-Studie. Sie hat ergeben, dass ausgewählte Betroffene durch die Kombination von Chemotherapie und anschließender Operation möglicherweise geheilt werden können. 

Welche Rolle spielen neue Medikamente?

Eine große Hoffnung sind die neuen, sogenannten zielgerichteten Medikamente. Diese greifen gezielt biologische Vorgänge in der Krebszelle an und blockieren so ihr Wachstum. Tragen die Krebszellen zum Beispiel verstärkt ein Eiweiß namens HER2, kann der Einsatz eines entsprechenden Gegeneiweißes, auch Antikörper genannt, das Überleben der Patienten deutlich verbessern. Ein weiterer neuer Antikörper hat kürzlich in Studien bei Magenkrebs gute Wirksamkeitsdaten und wenig Nebenwirkungen gezeigt. Der Antikörper hemmt die fürs Überleben der Krebszellen wichtige Blutgefäßneubildung, die Angiogenese. Dieses Medikament wird voraussichtlich gegen Ende des Jahres in Deutschland zugelassen. Es gibt also fortlaufend Entwicklungen auf diesem Gebiet.

Sind neue Therapiekonzepte bei einem Pankreaskarzi­nom in Sicht?

Auch beim Bauchspeicheldrüsenkrebs gibt es neue Therapieoptionen. Anfang des Jahres wurde ein neues Medikament für die metastasierte Erkrankung zugelassen. Dieses Medikament zeigte im Rahmen einer kürzlich veröffentlichten Studie in Kombination mit dem bisherigen Standard eine bessere Wirksamkeit als der bisherige Standard alleine. Nun gilt es, diese Option im Rahmen von Studien in früheren Stadien zu testen. Damit könnten die neuen Op­tionen dazu genutzt werden, mehr Patienten zu heilen. In kleineren Studien wurden außerdem kürzlich Erfolge mit der Immuntherapie gemeldet. Dieses Konzept muss allerdings noch in größeren Studien getestet werden.

Wie ließe sich die Krebserkrankung früher erkennen und damit besser behandeln?

Die Überlebensraten hängen ganz entscheidend vom Krankheitsstadium ab, in dem der Krebs entdeckt wird. Ein Früherkennungsprogramm existiert bei den Tumoren des Verdauungstraktes in Deutschland nur für Darmkrebs. Die Krankenkassen übernehmen für alle Versicherten ab dem 55. Lebensjahr Vorsorge-Darmspiegelungen in zehnjährlichen Abständen. Leider nehmen immer noch viele Menschen an diesen sehr wichtigen Vorsorgeuntersuchungen nicht teil. Ich möchte an dieser Stelle daher nochmal die Wichtigkeit der Vorsorgedarmspiegelung hervorheben. Ähnliche Früherkennungsprogramme existieren für die anderen Krebsarten des Verdauungstraktes aus verschiedenen Gründen leider nicht. Es muss intensiv daran gearbeitet werden, Menschen mit höherem Risiko für Speiseröhren-, Magen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs besser zu identifizieren. Dies wird eine effiziente Vorsorgeuntersuchung möglich machen.

Kontakt

Uni­ver­si­tä­res Cen­trum für Tu­mor­er­kran­kun­gen (UCT), Frank­furt
Theo­dor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt am Main
Telefon: 069 6301-87335
E-Mail: info-uct@kgu.de
Web: www.uct-frank­furt.de

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