Personalisierte Therapie

Volltreffer?

Von Charlotte Klingenthal · 2014

Menschen, die an Krebs erkranken, können anhand verschiedener Informationsquellen relativ sicher zuordnen, mit welcher Art von Therapie zu rechnen ist und wie hoch die Chance auf Heilung damit besteht. Doch ist das wirklich so? Immer öfter stellen Mediziner fest, dass Patienten auf die angebotenen Standardtherapien nicht in ausreichendem Maße ansprechen. Eine Lösung scheint greifbar.

Wer im Golf ein Hole-in-one landet, ist ein echter Glückspilz: Mit einem Schlag trifft die Kugel mitten ins Ziel. Doch nicht nur Golfer freuen sich, wenn der erste Treffer direkt sitzt. Sobald Krebspatienten mit der ausgewählten Therapie behandelt werden, setzen sie große Hoffnung in die „Trefferquote“ ihrer Tumortherapie. Umso schlimmer, wenn diese nicht oder nicht ausreichend anschlägt.

Für die Unwirksamkeit von Tumortherapien kommen viele Kriterien infrage. Generell gibt es circa 200 Krebsarten, darunter einige, von denen man weiß, dass sie schwer behandelbar sind. Andere Tumore reagieren nicht auf die Medikamente oder Bestrahlungen, weil die Tumorzellen Resistenzen aufweisen oder sich im Laufe der Zeit verändern. Bei wieder anderen Tumoren wirken Zytostatika, solange sich eine Tumorzelle teilt. Oder aber der Tumor ist so schlecht mit Adern versorgt, dass die krebszerstörenden Substanzen nicht mehr bis in sein Inneres gelangen. Das Angebot an Krebsvarianten und Therapieverläufen ist sehr zahlreich. Die individualisierte Krebstherapie ist nun ein Hoffnungsträger dieser Medizinsparte.

Natürlich sind Chemotherapiemedikamente unter gewissen Umständen wirksam, ansonsten wären sie nicht zugelassen. Aber ob sie wirklich bei einem Patienten wirken, ist vor Therapiebeginn meist unklar. Zusätzlich zur Ungewissheit, kommen teils erhebliche Nebenwirkungen. Das Ziel lautet daher derzeit: Weg vom Einheitsbrei, bei denen der Krebspatient einer unter vielen ist und so therapiert wird, wie es immer war, kleine Abweichungen inbegriffen. Machbar wird das mit einer umfangreichen Genanalyse, bei der Tumor und Medikament aufeinander abgestimmt werden.

Passt die Therapie zum Tumor?

Institutionen wie das Deutsche Krebsforschungszentrum engagieren sich gemeinsam mit Stiftungen und Unternehmen dafür, das Erbgut der Patienten zu testen, um die optimale Kombination an Medikamenten zur Krebsbehandlung herauszufinden. Dazu werden das Erbgut des Tumors und auch das gesunde Gewebe des Patienten im Labor identifiziert und entschlüsselt. Anhand der Ergebnisse kann man sehen, welche Veränderungen bisher eingetreten sind. Mithilfe dieser Genomsequenzierung wird ein Modell des Tumors erstellt, das virtuell eine Beurteilung der besten Medikamentenkombination zulässt.

Eingesetzt soll die Krebszelle so an der Teilung gehindert oder ihr absoluter Zelltod programmiert werden, die sogenannte Apoptose. Zusätzlich sollen gravierende Nebenwirkungen vermieden werden, die ebenso per Modellversuch simuliert und vorausgesagt werden können. Experten gehen davon aus, dass es in Zukunft möglich sein wird, Chemotherapie zwar weiterhin, aber wesentlich dosierter einzusetzen, was wiederum für das umliegende, gesunde Gewebe und den restlichen Körper insgesamt von großer Bedeutung ist. So wird wahrscheinlich auch herausgefunden, welche Veränderungen zur Entstehung der Krankheit beitragen und welche Faktoren die Krankheit beeinflussen und für die Therapie relevant sind.

Ziel: Therapie für alle

Das Deutsche Krebsforschungszentrum und das Universitätsklinikum Heidelberg verfolgen nach eigenen Angaben das Ziel, ab dem Jahr 2015 jedem Patienten im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen – kurz NCT – eine Erbgutanalyse und eine damit verbundene Therapieempfehlung anzubieten. Zunächst soll dies im Rahmen einer klinischen Studie, später als Leistung der Regelversorgung erfolgen. Dabei liegt das Ziel im Fokus, dass die Krankenkasse die individualisierte Krebsmedizin anerkennt und stets die Kosten dafür erstattet. Um diese Entwicklung zu beschleunigen, beteiligen sich auch andere Technologie­unternehmen an diesem Vorhaben.

Auch wenn die Methode bisher noch nicht zur regulären Krebstherapie gehört, so macht sie gerade den Menschen Hoffnung, die künftig von einer schlecht zu heilenden Krebsart betroffen sind. Denn hier bieten die zusätzlichen Untersuchungen und Modellversuche die Möglichkeit, viel komplexer das Gewebe zu untersuchen, als es im klinischen Betrieb bisher realisiert wird.

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