Darmkrebs erkennen

Auf zur Vorsorge

Von Tobias Lemser · 2020

Mit dem Alter nimmt das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, zu. Grund, weshalb Früherkennungsprogramme für Menschen ab 50 besonders wichtig sind – was an der Anzahl der zurückgehenden Neuerkrankungen be- sonders deutlich wird. Doch was, wenn der Befund positiv ist? Wie geht es dann weiter und wo sollten sich Betroffene laut einer aktuellen Studie am besten behandeln lassen?

Person hält sich verkrampft den Bauch vor Schmerzen. Thema: Darmkrebs erkennen
Wenn Symptome wie Darmkrämpfe auftreten, ist der Tumor meist schon weit fortgeschritten. Foto: iStock / kuppa_rock

Wie heimtückisch, unberechenbar und daher extrem gefährlich Krebs ist, zeigen die Krankengeschichten vieler betroffener Patienten. Denn ohne Schmerzen und Symptome zu verursachen, wächst der Tumor in der Regel unauffällig im Körper heran und macht sich oft erst dann bemerkbar, wenn er kaum noch heilbar ist. Eine Tatsache, die auch auf Darmkrebs zutrifft. Laut Schätzung des deutschen epidemiologischen Krebsregisters und des Zentrums für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut werden im Jahr 2020 rund 31.300 Männer und 24.100 Frauen daran erkranken. Verglichen mit anderen Tumorerkrankungen ist das kolorektale Karzinom, so der Fachbegriff, bei Männern das dritt- und bei Frauen das zweithäufigste Krebsleiden. Gute Nachricht: Früh erkannt, ist er in mehr als 90 Prozent der Fälle heilbar oder entsteht bestenfalls gar nicht erst.

Erfolge durch Vorsorge

Damit dies gelingt und so typische Symptome im fortgeschrittenen Stadium wie Verstopfungen, Darmkrämpfe und Blut oder Schleim im Stuhl gar nicht erst entstehen, sind Vorsorgeuntersuchungen das A und O – wie folgende Zahlen beweisen: Seit Einführung der Vorsorgekoloskopie als gesetzliche Leistung im Jahr 2002 sank die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen ab 55 Jahren um rund 20 Prozent. So konnten rund 130.000 Todesfälle und 270.000 Neuerkrankungen verhindert werden. 

Eine positive Tendenz, die jedoch weiter ausbaufähig ist: Auch weil fast die Hälfte der Deutschen mit einem erhöhten familiären Risiko für Darmkrebs – etwa jeder Zehnte Befragte gab an, einen direkten Verwandten mit dieser Erkrankung zu haben – nicht zur risikoangepassten Früherkennung geht. Dies ergab eine Anfang Januar veröffentlichte Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg, an der mehr als 28.000 Personen teilnahmen. 

Kassen laden zur Früherkennung 

Damit künftig mehr Menschen Vorsorge betreiben, versenden seit Juli vergangenen Jahres die Krankenkassen allen gesetzlich Versicherten ab 50 Jahren per Post eine Einladung und Informationen zur kostenlosen Früherkennung. Bestandteile dieser Vorsorge sind zum einen ein immunologischer Test auf okkulte, also nicht-sichtbare Blutspuren im Stuhl. Diesem können sich Frauen und Männer im Alter von 50 bis 54 Jahren jährlich 

unterziehen. Zum anderen besteht die Möglichkeit einer Darmspiegelung. Während Frauen ab 55 Anspruch auf zwei sogenannte Koloskopien im Mindestabstand von zehn Jahren haben, wird Männern dieser Vorsorge-Goldstandard bereits ab einem Alter von 50 Jahren ermöglicht.

Darmkrebs erkennen: Histologische Untersuchung 

Da etwa 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen durch entartete Polypen entstehen, deren Zellen in Krebszellen umgewandelt werden, kommt im Falle eines Verdachts der feingeweblichen Untersuchung größte Bedeutung zu. Heißt die Diagnose Dickdarmkrebs, stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. Hierfür ausschlaggebend sind Fragen, wo der Tumor genau liegt, wie groß er ist und wie er sich bereits über den Darm hinweg ausgedehnt hat und welche molekularbiologischen Eigenschaften vorliegen. Nicht zu unterschätzen sind ebenso der Allgemeinzustand des Betroffenen und eventuell bestehende Begleiterkrankungen. Bei Krebsvorstufen und sehr kleinen, oberflächlichen Tumoren reicht unter Umständen eine endoskopische Entfernung aus.

Quelle: WIdO, 2019

Operation beim Spezialisten

Anders, wenn der Krebs sich bereits in die Darmwand vorgearbeitet hat: Dann ist die operative Entfernung der Geschwulste zentraler Therapiebestandteil. Abhängig von Faktoren, wie Tumorgröße oder Rückfallrisiko, kann der Operation eine Strahlen- oder kombinierte Chemo- und Strahlentherapie vorgeschaltet oder angeschlossen werden. Doch nicht nur die Art, wie therapiert wurde, sondern auch in welcher medizinischen Einrichtung, ist entscheidend für das Langzeitüberleben. Dieser Frage ging das Forschungsteam um den Leiter des Viszeralonkologischen Zentrums am Universitätsklinikum Würzburg PD Dr. Armin Wiegering in einer aktuellen Studie nach. „Wir konnten darin erstmals für Deutschland nachweisen, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Anzahl an jährlich operierten Patienten und dem Operationserfolg gibt“, sagt Wiegering.

Heißt: In Krankenhäusern mit sehr wenigen Operationen an kolorektalen Karzinomen – im Schnitt sechs pro Jahr – ist die Sterberate nach dem Eingriff doppelt so hoch wie in Kliniken mit durchschnittlich 50 OPs pro Jahr. Der wichtigste Grund hierfür liege laut dem Würzburger Mediziner in der ausreichenden Infrastruktur in großen Krankenhäusern, um die Patienten bei postoperativen Komplikationen zu retten.

Risiken im Auge behalten

Noch besser, wenn eine Behandlung gar nicht erst erforderlich wird. Deshalb liegt ein wichtiger Baustein zusätzlich zur Krebsfrüherkennung darin, Risikofaktoren für Darmkrebs so gering wie möglich zu halten. Neben genetischen Faktoren sind dies laut Deutscher Krebsgesellschaft ungünstige Ernährungsgewohnheiten, wie zu fettreiche und faserarme Kost. Mögliche Auslöser für Darmkrebs können darüber hinaus stark gesalzene, gepökelte oder geräucherte Lebensmittel sein. Als gesund gelten dagegen – wie so oft, um bestimmten Krankheiten vorzubeugen – Sport und eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Fisch.

Quellen:
Bundesgesundheitsministerium "Fragen zur Darmkrebsvorsorge"
Krebsinformationsdienst "Darmkrebs"
Deutsche Krebsgesellschaft "Darmkrebs"

Mögliche Symptome von Darmkrebs

• sehr häufiger Stuhldrang, wiederkehrende Verstopfungen oder ein Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall 

• sichtbares Blut im Stuhl, Schleimbeimengungen, stark übelriechender oder bleistiftdünner Stuhl, hervorgerufen durch Darmverengungen

• Blähungen mit ungewolltem Stuhlabgang, starke Darmgeräusche, häufige Übelkeit oder Völlegefühle trotz wenig Essen

• Schmerzen beim Stuhlgang und krampfartige Bauchschmerzen unabhängig vom Stuhlgang 

Quelle: www.krebsinformationsdienst.de

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