Krebs vorbeugen

Das Bewusstsein schärfen

Von Nadine Effert · 2020

Diagnostik verbessern, wirksame Therapien entwickeln, neue Möglichkeiten der Vorbeugung finden: Forscher und Mediziner arbeiten ständig daran, Todesfälle durch Krebs zu verhindern. Gut so, denn die Zahl der Patienten soll sich in Zukunft verdoppeln.

Eine brennende Zigarette steckt zwischen zwei Fingern. Thema: Krebs vorbeugen
Ein Drittel der Krebserkrankungen wird durch das Rauchen verursacht. Foto: iStock / Rattankun Thongbun

Seit Wochen geht das nun schon so: Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit. Und irgendwie verträgt Walter M. den morgendlichen Kaffee nicht mehr so gut. Die Angst kommt in dem 68-Jährigen hoch, es könnte Krebs sein. Zu oft hat er mit der Krankheit, die auf leisen Sohlen kommt, indirekt schon Bekanntschaft gemacht, im Freundeskreis und in der Familie. Zum Glück sucht er umgehend einen Arzt auf, denn der Verdacht erhärtet sich: Es ist Magenkrebs – zum Glück im Frühstadium, die Chancen auf Heilung stehen recht gut. Walter M. ist einer von 18 Millionen Menschen, die weltweit unter Krebs leiden und mit der Angst durchs Leben gehen, daran zu sterben. Tumorerkrankungen sind die zweithäufigste Todesursache – nach den Herz-Kreislauf-Krankheiten. Im Jahr 2018 starben laut Schätzungen 9,6 Millionen Menschen daran.

Zahl der Patienten steigt

In den nächsten 20 Jahren ist mit einem starken Anstieg der weltweiten Krebserkrankungen zu rechnen: Auszugehen ist von einer Verdopplung der Zahlen bis 2040. So die düstere Prognose der World Health Organization WHO, die anlässlich des Internationalen Krebstages am 04. Februar 2020 verkündet worden ist. Dass die Zahl derartig steigt, hat verschiedene Ursachen. Fakt ist: Wir Menschen werden immer mehr und immer älter. Es gibt also schlicht mehr Menschen, bei denen Tumoren auftreten. Galt Krebs zudem einst als Geißel der modernen Industrienationen, werden in Entwicklungsländern, wie zum Beispiel in Afrika, immer häufiger entsprechende Diagnosen gestellt, wie der WHO-Bericht auch zeigt. Zwei Drittel der Patienten leben in Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen keine adäquate Versorgung gewährleistet ist. Dort sind es vor allem Krebsarten, nämlich 40 Prozent, die von Viren ausgelöst werden, wie Leber- oder Gebärmutterhalskrebs. Sie kommen hierzulande im Vergleich weniger häufig vor – dank der vom Robert Koch-Institut empfohlenen Impfungen gegen HPV und Hepatitis B. Allerdings ist Leberkrebs auf dem Vormarsch, da immer mehr Deutsche eine Fettleber haben, aus der sich eine Leberzirrhose bilden kann. Sie gilt als Hauptauslöser für ein Leberkarzinom. 

Krebs vorbeugen: Risiken kennen, Verhalten ändern

Und damit sind wir bei einem weiteren Grund: den primären vermeidbaren Risikofaktoren wie falsche Ernährung, zu wenig Bewegung, zudem Zigaretten und Alkohol. Vermutlich geht rund ein Drittel aller Krebserkrankungen auf das Konto von Tabakkonsum. Heißt: Nicht nur die naheliegenden Tumoren, die Lunge, Kehlkopf und Mundhöhle betreffen, können durch den Zug am Glimmstängel verursacht sein. Das Risiko von Rauchern, an Krebs zu sterben, ist doppelt so hoch wie bei Nichtrauchern. Wichtig ist, ein Bewusstsein zu schaffen dafür, dass Gesundheit nicht mit der Medizin anfängt, sondern mit Prävention. Dies beinhaltet auch die Vorsorgeuntersuchungen, wie das regelmäßige Abstasten der Brust durch den Gynäkologen oder die Darmkrebsvorsorge ab 50. 

Quelle: International Agency for Research on Cancer, 2020

Eine Frage der Bildung

Das Bewusstsein für Risikofaktoren ist, gemäß einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Ipsos anlässlich des diesjährigen Weltkrebstages, zumindest vorhanden. Befragt wurden über 15.000 Menschen aus 20 Ländern zu ihren Erfahrungen, Ansichten und Verhaltensweisen in Bezug auf die Erkrankung. Ein Ergebnis des „International Public Opinion Survey on Cancer 2020”: Tabakkonsum ist der bekannteste Risikofaktor, gefolgt von UV-Strahlen. Allerdings gibt es Unterschiede: „Menschen aus einkommensschwächeren Haushalten und mit geringerer Bildung […] erkennen weniger häufig Risikofaktoren für Krebs“, so die „Union for International Cancer Control“ (UICC), Initiatorin des Weltkrebstages. Daher solle der Krebsaufklärung und -prävention im Rahmen einer fortschrittlichen Gesundheitspolitik Priorität eingeräumt werden. 

Die Angst schwingt mit

Was die Studie auch zum Vorschein gebracht hat: 61 Prozent der Befragten sind oder waren bereits mit der Diagnose konfrontiert, sei es, weil sie selbst betroffen sind oder jemanden kennen, der die Diagnose erhalten hat. Die Angst, selbst an Krebs (wieder) zu erkranken, kennen fast 60 Prozent. Die Krankheit ist präsent, wie eine Art Schatten, der einen früher oder später im Leben begleitet, ob man möchte oder nicht. Wissen ist für jeden die Voraussetzung, das persönliche Krebsrisiko zu senken. Wissen ist für Forschung und Medizin der Schlüssel, um Patienten früher zu diagnostizieren und besser therapieren zu können. 

Quellen:
www.krebsinformationsdienst.de
www.krebsgesellschaft.de
www.krebshilfe.de

Persönliches Krebsrisiko reduzieren

Nicht rauchen und auch Passivrauchen vermeiden. 

Den Alkoholkonsum einschränken.

Sich regelmäßig bewegen und auf ein normales Körpergewicht achten.

Die Haut vor Sonneneinstrahlung schützen.

Einen gesunden Ernährungsstil pflegen und dabei nur wenig rotes Fleisch und eher salzarme Lebensmittel zu sich nehmen. 

Auf Schadstoffe in der Umgebung achten.

Quelle: World Health Organization WHO

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