Welche Lebensmittel helfen gegen Nebenwirkungen der Brustkrebstherapie?

„Mit der richtigen Ernährung kommt man besser durch die Therapie“

Von Nadine Effert · 2022

Carolin Kotke ist 2017 mit nur 29 Jahren an Brustkrebs erkrankt. Ein drastischer Einschnitt in ihr Leben, der vieles verändert hat. Heute ist sie Ernährungscoach und Brustkrebsaktivistin, macht anderen Betroffenen Mut und zeigt, welche Lebensmittel gegen Nebenwirkungen der Therapie und Mangelernährung helfen.

Eine Schüssel mit gesundem Essen
Eines der wichtigsten Nahrungsmittel für Krebskranke ist Gemüse. Foto: © Carolin Kotke

Carolin, wann hast du von deiner Brustkrebserkrankung erfahren?

Es war im November 2017, als ich einen kleinen Knubbel in meiner Brust ertastet habe und diesen bei meiner Frauenärztin überprüfen lassen wollte. Dann ging alles ganz schnell. Sie überwies mich sofort in die Radiologie, wo relativ schnell klar wurde, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt. Ich war mit der Situation erst einmal komplett überfordert. Mit Ende 20 rechnet man ja nicht mit einer Krebsdiagnose.

Du hast deine Erlebnisse nach der Diagnose auf deinem Blog „carolionk“ geteilt. Ein mutiger Schritt. Was war deine Motivation?

Über mein Brustkrebstagebuch habe ich versucht, meine Gefühle und Ängste zu verarbeiten, was auch funktionierte. Ich bekam zudem viel positives Feedback und konnte anderen Menschen mit meinen Erfahrungen und Tipps helfen, aber auch Gleichgesinnte finden. Zu wissen, dass man nicht allein mit dieser Situation ist, war für mich wahnsinnig wertvoll.

Wie lief die Behandlung bei dir ab?

Insgesamt war ich ein Jahr lang in Therapie. Sechs Monate Chemotherapie, vier Operationen – darunter die Entfernung des komplettes Brustgewebes – und anschließend Bestrahlung. Das hat natürlich Spuren hinterlassen. Selbst heute muss ich beispielsweise täglich Anti-Hormone zu mir nehmen, da ich einen stark hormonrezeptorpositiven Krebs hatte.

Welche Nebenwirkungen waren damals für dich am schlimmsten?

Puuh, wo fange ich an? Am schlimmsten war es, als mein Magen und Darmtrakt komplett rebellierten, nichts mehr an Nahrung drinbleiben wollte, ich drastisch an Gewicht verlor und kaum noch Energie hatte. Ich hatte wahnsinnige Angst und fragte mich, wie ich die Therapie durchstehen sollte. Zudem hatte ich starke Knochen- und Gelenkbeschwerden, fühlte mich wie 80. Daraufhin bin ich selbst aktiv geworden, indem ich mich intensiv mit der basischen Ernährungsform auseinandergesetzt und meine Ernährung dementsprechend umgestellt habe.

Was heißt das konkret?

Ich habe immer mehr Obst und Gemüse, aber auch Nüsse und Samen in meine Ernährung integriert sowie auf Fleisch, Weizen, Zucker, Milchprodukte und ungesunde Transfette verzichtet. Ich fühlte mich dadurch allgemein wohler und hatte mehr Energie für die Therapie. Ebenso profitierte natürlich mein Immunsystem von der gesunden, nährstoffreichen Ernährung.

Helfen also spezielle Lebensmittel bei bestimmten Nebenwirkungen?

Buchcover: Ernährung bei Krebs

In der Tat. Gegen Übelkeit hilft beispielsweise Ingwerwasser, bei Durchfall Flohsamen und gegen starken Gewichtsverlust die ausreichende Zufuhr an Proteinen durch zum Beispiel Nüsse und Hülsenfrüchte. Und um Magen und Darmtrakt möglichst zu schonen, ist es unter anderem empfehlenswert, Gemüse leicht mit Dampf zu garen.

Klingt alles einfach und effektiv. Wird denn aus deiner Sicht dem Thema Ernährung während der Krebstherapie genug Beachtung geschenkt?

Nein, leider wird das Thema komplett unterschätzt. Da ich ja selbst gesehen habe, welches Potenzial Ernährung hat, fing ich direkt im Anschluss an meine Therapie eine Ausbildung als Ernährungsberaterin an. Mittlerweile habe ich unter dem Motto „eat well, feel better“ eine Seminarreihe gegründet und meinen ersten Ernährungsratgeber für Krebspatienten und -patientinnen herausgebracht. Das positive Feedback ist bombastisch. Es ist ein schönes Gefühl, anderen helfen zu können.

Hilfreich ist eine gesunde Ernährung auch in puncto Prävention.

Richtig, Omega-3 zum Beispiel hat für mich nach meiner Krebserkrankung an Bedeutung gewonnen. Die heutige Ernährung mit reichlich Fast Food und hohem Fleischkonsum führt meist zu einer absoluten Dysbalance zwischen Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren. Dies kann stille Entzündungen im Körper und damit zahlreiche Krankheiten begünstigen. Aus diesem Grund esse ich regelmäßig Omega-3-reichen Fisch und gebe zusätzlich pures Omega-3-Öl zum morgendlichen Porridge oder Smoothie.

Wie geht es dir heute?

Super! Ich lebe heute ganz anders als früher – bewusster, voller Dankbarkeit und Wertschätzung für das Leben. Klar habe ich immer noch mit einigen Nachwirkungen zu kämpfen. So befinde ich mich durch meine Therapie mitten in den Wechseljahren und werde auch keine Kinder mehr bekommen können, da ich 2020 aufgrund eines erhöhten Krebsrisikos auch die Eierstöcke entfernen ließ. Das sind Dinge, die schon sehr belasten. Doch ich habe gelernt, mich auf das Positive im Leben zu konzentrieren.

Dazu gehört es für dich auch, als Brustkrebsaktivistin unterwegs zu sein. Was ist deine Mission?

Ich möchte nicht nur Awareness schaffen für eine gesunde Ernährung, sondern die Menschen, insbesondere junge Frauen, für die Krebsvorsorge sensibilisieren. Das fängt an bei der jährlichen Krebsvorsorge und dem monatlichen Abtasten der Brust. Ebenso wichtig ist es, auf sich zu achten und auf seinen Körper zu hören. Wäre ich damals nicht rechtzeitig zu meiner Frauenärztin gegangen, hätte meine Prognose eine ganz andere sein können. Krebs ist heilbar – wenn man ihn rechtzeitig erkennt! Ich möchte aufklären und zeigen, was es bedeutet, Krebs zu haben, mit meiner persönlichen Geschichte Mut machen und zeigen, wie schön und wertvoll das Leben nach solch einer Diagnose sein kann.

Carolin Kotke

Zur Person

Carolin Kotke ist als Brustkrebsaktivistin und Ernährungscoach tätig und teilt ihre Expertise und persönlichen Erfahrungen in Seminaren sowie auf ihren Social-Media-Kanälen. Im November 2021 hat sie einen Ernährungsratgeber für Krebspatienten und -patientinnen herausgebracht, der kostenfrei unter www.carolionk.com zum Download bereitsteht.

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