Immunonkologie

Unser Immunsystem als Krebs-Killer

Von Isabell Flohr · 2018

Mit spezifischen Medikamenten wird das körpereigene Abwehrsystem gestärkt, sodass Krebszellen als solche erkannt und bekämpft werden – quasi als Hilfe zur Selbsthilfe. Checkpoint-Hemmer, Zytokine und Krebsimpfungen sollen dabei unterstützen.

Immunonkologie als Hoffnungsschimmer in der Krebstherapie. Ein Arzt zieht eine Spritze mit einem Impfstoff auf

Immuntherapien verfolgen einen ganz neuen Ansatz in der Onkologie. Die klassischen Chemo- und Strahlentherapien zielen direkt auf die Vernichtung von Krebszellen. Allerdings mit der Nebenwirkung, dass auch T-Zellen (Thymus-Zellen) und damit das Immunsystem lahm gelegt wird. Die Immunonkologie setzt auf das Gegenteil, die spezifische Stärkung des Immunsystems- unter Berücksichtigung der komplexen Überlebensstrategien mancher Krebszellen. Da die Tumorzellen körpereigen sind, also weniger fremd als Bakterien und Viren von außen, macht es das für die Abwehr schwieriger, diesen inneren Feind zu erkennen.

Und: Krebszellen verändern sich schnell und können ihre defekten Merkmale auch verlieren oder verstecken. Falls ihre Tarnung versagt, senden sie Signale aus, die den Angriff der Immunzellen abblocken. Gegen die „Maskierungen“ von Karzinomzellen werden verschiedene immunologische Strategien eingesetzt. Wie zum Beispiel zielgerichtete Checkpoint-Hemmer oder -Inhibitoren, die die tumorbedingte Bremse aufheben. Genau an den Immun-Checkpoints auf den T-Zellen, die als zentrale Steuermoleküle die Aktivität der T-Zellen regulieren und jetzt die Krebszellen wieder bekämpfen können.

Quelle: Chen & Mellman, Immunity 2014, Roche Geschäftsbericht

Immuntherapien bei fortgeschrittenem und metastasiertem Krebs

Antikörper-Infusionen werden eingesetzt bei schwarzem Hautkrebs, Lungenkrebs, Nierenzellkrebs und beim Hodgkin-Lymphom. Nebenwirkungen sind durch überschießende Immunreaktionen möglich, bis zu Auto-Immunerkrankungen.

Bei der eher unspezifischen Immuntherapie werden künstlich hergestellte Zytokine in den Körper geleitet. Zytokine sind Zellhormone, die als Signalproteine im Abwehrkampf wirken. Deren Vertreter, beispielsweise Interferone, verhindern eine Krebszellteilung und aktivieren körpereigene Killerzellen. Auch in Kombination mit Interleukinen, die die vermehrte Bildung von T-Zellen fördern. Diese sehr toxische Methode wird mehr in den USA und in England bei ausgewählten Tumorarten angewandt. 

Forscher entwickelten eine Lösung aus Immun- und Gentherapie

In ersten klinischen Studien wird Impfen gegen Krebs getestet: Das Immunsystem soll lernen, den Tumor selbst anhand von dessen Tumorantigenen zu erkennen. Geimpft wird mit Teilen von Krebszellen, den Antigenen, oder man verändert Immunzellen außerhalb des Körpers zu tumorreaktiven Zellen, die reinjiziert die Krebszellen bekämpfen und weitere Immunzellen aktivieren. Der sogenannte Chimeric Antigen Receptor (CAR-T-Zelle) – ein künstliches Molekül – besteht aus vier natürlichen Proteinen. Ein Fragment eines Antikörpers, eingebracht in eine T-Zelle, wird so vermehrt Teil eines angriffslustigen Immunsystems.

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