Krebsforschung

Keine Quantensprünge, aber große Fortschritte

Von Tobias Lemser · 2019

In Deutschland leben rund vier Millionen Menschen, bei denen vor mehr als fünf Jahren Krebs diagnostiziert wurde. Und die Überlebenszahlen steigen, was insbesondere akribischer Forschungsarbeit zuzuschreiben ist. Aber auch dank stetiger technischer Weiterentwicklungen sind immer zielgenauere Diagnosen und Therapien möglich. Die Innovationen kennen keine Grenzen.

Krebsforschung: Blutanalyse am Mikroskop
Krebsforschung: Regelmäßig werden neue Diagnosemöglichkeiten vorgestellt. Foto: iStock/Motortion

Spätestens seit dem Weltkrebstag Anfang Februar und den Diskussionen um die Äußerungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Besiegbarkeit von Krebs in 20 Jahren, sind Tumorerkrankungen wieder in aller Munde. Was kaum einem bewusst ist: Statistisch gesehen erkrankt fast jeder Zweite in Deutschland im Laufe seines Lebens an Krebs. Laut aktuellster Daten des Zentrums für Krebsregisterzahlen gibt es jährlich 476.000 Krebsneuerkrankungen, davon etwa 249.200 bei Männern und 227.000 bei Frauen. Tendenz steigend, was auch daran liegt, dass wir immer länger leben. Aber immerhin: Ein Todesurteil muss die Krankheit nicht mehr sein.

Alles entscheidend, um einen der größten Kämpfe im Leben erfolgreich aufnehmen zu können, ist die exakte und schnelle Diagnose. Neben den allseits bekannten Verfahren, wie der Computertomographie (CT), der Magnetresonanztomographie (MRT) oder dem Ultraschall, gewinnen immer speziellere Bildgebungen an Bedeutung. Dazu zählen unter anderem die Positronen-Emissions-Tomographie (PET), ein nuklearmedizinisches Verfahren, das mithilfe von Radionukliden Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar macht, oder auch die Liquid Biopsy, die auf Nukleinsäureanalytiken zum Nachweis von Tumorzellen im Blut beruht.

Innovative Studie aus Australien

Unaufhörlich bringen Wissenschaftler neue Diagnosetechniken hervor, so auch australische Forscher der Universität in Brisbane in einer Ende 2018 veröffentlichten Studie. Neuester Coup: ein sogenannter „Methylscape“-Test, der binnen zehn Minuten mittels Goldpartikeln und einer kleinen Menge Blutserum eine exakte Krebsdiagnose ermöglichen soll. Verändern diese Goldpartikel durch Berührung mit tumortypischer DNA-Struktur ihre Farbe, spricht dies für eine Krebserkrankung. Der Farbtest erreichte bei den Lymphknoten eine Genauigkeit von 77 und bei Plasmaproben von 73 Prozent. Ob der Test allerdings auch für die klinische Praxis tauglich ist, müssen weitere Studien zeigen. Wie die Forscher ergänzen, soll ihre Entdeckung künftig sogar als Smartphone-Software funktionieren.

Per App gegen den Krebs

Apropos Smartphone: Auch beim Thema Krebs spielen digitale Anwendungen eine immer wichtigere Rolle. Zwar ist nach Angaben des Onko-Internetportals der Markt für Apps noch überschaubar, dennoch gibt es gerade in der Prävention und Gesundheitsförderung immer neue Anwendungen – sei es mit nützlichen Tipps zur Mundpflege während der Chemotherapie, gegen Müdigkeit und Erschöpfung im Alltag oder zur Immuntherapie. Andere Apps wiederum unterstützen bei der Selbstuntersuchung der Brust, der Berechnung des Erkrankungsrisikos oder bei der Medikamenteneinnahme.

Mangelndes Fachwissen

Dass der Bedarf an Informationen groß ist, zeigt eine im Jahr 2016 von Professor Dr. Jutta Hübner im Journal of Cancer Education erschienene Studie. Darin wird deutlich, dass in Deutschland Informationsmaterial für Krebspatienten in den meisten Fällen medizinisches Hintergrundwissen voraussetzt und in der Regel für Laien unverständlich ist. Besser läuft es dagegen in den USA, wo es bereits große Plattformen gibt, die onkologische Patienten bei der Organisation von Therapie und Pflege unterstützen. Mehr als eine Million User nutzen die Portale zudem zur Kommunikation mit dem Pflegepersonal sowie zur Überwachung der eigenen Gesundheit und von Terminen.

Größte Risikofaktoren

Noch besser, die Erkrankung bräche gar nicht erst aus. Auch wenn man gegen genetische Faktoren machtlos ist, kann immerhin ein gesundheitsbewusster Lebensstil helfen, die wichtigsten Krebsrisikofaktoren zu vermeiden.

Quelle: Statista, 2018

Wie viele Krebsfälle hierzulande tatsächlich auf die einzelnen Risikofaktoren zurückzuführen sind, haben im vergangenen Jahr Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum berechnet. Hierfür berücksichtigt wurden alle 440.000 Krebsfälle bei Personen im Alter von 35 bis 84 Jahren. Demnach sind 19,3 Prozent der Krebsfälle dem Rauchen geschuldet, knapp acht Prozent sind auf ungesunde Ernährungsgewohnheiten und knapp sieben auf Übergewicht zurückzuführen.

Krebsforschung: Neue Medikamente in der Pipeline

Das Risiko an Krebs zu erkranken ist zwar groß, es gibt aber auch gute Nachrichten: Es stehen nämlich inzwischen Therapien zur Verfügung, die immer ausgereifter und zugleich schonender für den Patienten sind. Gerade in den vergangenen Jahren kamen verstärkt immunonkologische Medikamente auf den Markt, die körpereigene Immunzellen gegen die Tumorzellen „mobilisieren“. Laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VfA) könnte noch im laufenden Jahr ein Präparat dieser Art hinzukommen, genauso wie Medikamente, die direkt die Tumorzellen angreifen. Für viele Patienten hieße dies, schneller als früher an Behandlungsmöglichkeiten zu kommen. Wie der VfA noch bekannt gab, werde auch in diesem Jahr rund ein Drittel aller neuen Medikamente gegen eine Krebserkrankung gerichtet sein. So könnten bis zu vier Präparate gegen nicht-kleinzellige Lungenkarzinome auf den Markt kommen.

Weitere Medikamente, die sich momentan noch im Zulassungsverfahren befinden, sollen bei kutanen Plattenepithelkarzinomen, bestimmten Leukämien und Lymphknotenkrebs sowie bei Brust-, Eierstock- und Prostatakrebs helfen. Meldungen, die positiv stimmen und Betroffenen Hoffnung machen, jedoch auch deutlich zeigen, wie viel Arbeit die Wissenschaft nach wie vor in die Forschung stecken muss, um den Krebs eines Tages in die Knie zu zwingen.

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