Immunonkologie

Hoffnungsträger Nummer eins

Von Nadine Effert · 2020

Immuntherapien spielen bei vielen Krebsarten eine immer bedeutendere Rolle. Ihr Ziel: das körpereigene Immunsystem gegen den Tumor einsetzen. Wie die neue Waffe gegen den Krebs funktioniert und warum selbst Hirntumoren damit in Zukunft behandelt werden könnten.

Mediziner hält ein Modell des Gehirns auf seinem Schreibtisch
In Zukunft könnten Gehirntumoren mithilfe des Immunsystems bekämpft werden. Foto: iStock / Shidlovski

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Tumorzellen werden entdeckt, unschädlich gemacht oder zumindest in Schach gehalten, nicht etwa durch „Stahl, Strahl, Chemo“, sondern durch das körpereigene Abwehrsystem. Einst hielt man das für unmöglich, da Tumorzellen listige Gesellen sind, die das Immunsystem und seine Mechanismen unterlaufen können. 

Immunonkologie: Nachgewiesen effektiv

Doch dann entdeckten Forscher zufällig, dass bei Krebspatienten mit einer zusätzlichen Infektion der Tumor manchmal verschwand. Heute wissen Mediziner, wie sie das Immunsystem im Kampf gegen den Krebs aktivieren können, zum Beispiel mit einer therapeutischen Impfung oder sogenannten Checkpoint-Inhibitoren. Checkpoints sind Moleküle, die auf den Abwehrzellen sitzen und als eine Art Bremse fungieren, damit kein körpereigenes Gewebe angegriffen wird. Tumorzellen verstärken diese Wirkung und schirmen sich so gekonnt ab. Spezielle Medikamente, die Checkpoint-Inhibitoren, lösen die Bremse. Das Ergebnis: freie Fahrt für die Abwehrzellen in Richtung Tumorbekämpfung – und ein Medizin-Nobelpreis in 2018 für diese bahnbrechende Entdeckung. Besonders gute Erfolge erzielt diese Therapie zum Beispiel beim metastasierten schwarzen Hautkrebs (Melanom). Einst ein sicheres Todesurteil für Betroffene, sind heute etwa 40 Prozent nach fünf Jahren noch am Leben. 

Neue Strategie beim Hirntumor 

Es gibt jedoch eine Region in unserem Körper, die sich nicht nur gegenüber Krankheitserregern gekonnt abschirmt, sondern auch gegen das Immunsystem: das Gehirn, das Alcatraz unter den Organen. Aber genauso wie es drei Insassen gelungen ist, von der berühmt-berüchtigten Gefängnisinsel vor San Francisco zu flüchten, haben Forscher der Yale-Universität einen Mechanismus entdeckt, mit dem die natürliche Barriere des Gehirns überwunden werden kann. Sie schleusten bei Mäusen mit einem Glioblastom, das ist der häufigste und ein sehr aggressiver Hirntumor, einen Wachstumsfaktor in das Gehirnnervenwasser ein, der insbesondere für die Bildung von Lymphgefäßen verantwortlich ist. Darüber entsorgt das Gehirn Zellabfälle. In Kombination mit der Gabe von Checkpoint-Inhibitoren verlängerte die Behandlung das Überleben der Mäuse signifikant. Als Nächstes wollen die Forscher die Therapie an Patienten anwenden.

Quellen:
Deutsche Krebsgesellschaft: Mit dem Immunsystem den Krebs bekämpfen
Pharmazeutische Zeitung "Onkolytische Immuntherapie auf dem Markt"

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