Harnblasenkrebs

„Mit hoher Temperatur Rückfälle vermeiden“

Von Nadine Effert · 2020

Porträt: Prof. Dr. med. Axel Heidenreich, Direktor der Klinik für Urologie, Uro-Onkologie, Roboter-assistierte und Spezielle Urologische Chirurgie am Universitätsklinikum Köln
Prof. Dr. med. Axel Heidenreich

Harnblasenkrebs ist der fünfthäufigste bösartige Tumor. Prof. Dr. med. Axel Heidenreich, Direktor der Klinik für Urologie, Uro-Onkologie, Roboter-assistierte und Spezielle Urologische Chirurgie am Universitätsklinikum Köln, über die verschiedenen Behandlungsmethoden. Darunter eine vielversprechende Kombination aus Wärme und Chemotherapie.

In Deutschland erkranken jährlich rund 17.000 Menschen neu an Harnblasenkrebs. Gibt es Anzeichen, die auf die Tumorerkrankung hinweisen?

Die Symptome sind eher unspezifisch: Häufiger Harndrang oder Schmerzen beim Wasserlassen können ein Indiz sein. Typisches Erstsymptom bei etwa 80 Prozent der Betroffenen sind Spuren von Blut im Urin. Wichtig ist, den Tumor in einem möglichst frühen Stadium zu entdecken. Das ist für den Erfolg der Therapie entscheidend, genauso wie die Unterteilung des Tumors in verschiedene Stadien für die Wahl der Therapie.

Sie sprechen damit die nicht-muskelinvasiven und muskel-invasiven Tumoren an ...

Richtig. Im Gegensatz zu den muskelinvasiven Tumoren, die in das Organ einwachsen, befinden sich nicht-muskelinvasive noch an der Oberfläche. Bei Letzteren kann die Blase erhalten bleiben, lediglich das Geschwür wird entfernt. Danach erfolgt die Behandlung – abhängig vom biologischen Risikoprofil des Tumorrezidivs – mit einem Chemotherapeutikum, zum Beispiel Mitomycin, oder dem Immuntherapeutikum Bacillus Calmette-Guérin, kurz BCG. Ziel ist, etwaige im Inneren der Blase zurückgebliebene unsichtbare Krebszellen auszuschalten und somit das Risiko für einen Rückfall zu reduzieren. 

Wie werden Patienten mit einem höheren Rückfallrisiko behandelt?

Vorzugsweise greifen wir bei Intermediate-Risk- und High-Risk-Tumoren aufgrund der besseren Resultate auf die Behandlung mit BCG zurück. Die Kehrseite der Medaille sind mitunter starke Nebenwirkungen, darunter Harnwegsinfektionen, ausgeprägter Harndrang oder die Ausschwemmung der BCG-Bakterien in die Blutbahn.

Bedeutet ein Nichtvertragen der Therapie automatisch eine Entfernung der Blase?

Nein, heute steht uns eine Alternative zur Verfügung: die hyperthermische intravesikale Chemotherapie, kurz HIVEC. Hierbei wird mithilfe eines kleinen technischen Gerätes das Mitomycin vorab auf 43 Grad Celsius erwärmt und dann erst per Spezialkatheter über die Harnröhre der Blase zugeführt. 

Welchen Vorteil hat das Erwärmen des Wirkstoffes?

Das Medikament wird durch die Hyperthermie nachweislich in seiner Wirkung verstärkt, wodurch wesentlich mehr Krebszellen abgetötet werden. Wir erzielen also einen höheren onkologischen Effekt als durch die bloße Gabe des Chemotherapeutikums. Die nahezu schmerzfeie Behandlung, bei der das erwärmte Mitocymin in der Blase hin und her gespült wird, dauert etwa eine Stunde. Je nach Risikoprofil sind zwischen sechs und zwölf Sitzungen nötig. Mit HIVEC lässt sich der Harnblasenkrebs gezielter bekämpfen und das Organ häufig retten. Die Langzeitwirkung muss allerdings noch in weiteren Studien geprüft werden.

Harnblasenkrebs: Fünf Fakten

Definition: bösartiger Tumor, der in der Blasenschleimhaut entsteht

Mittleres Erkrankungsalter: 70 Jahre 

Häufigkeit nach Geschlecht: Männer sind dreimal häufiger betroffen, allerdings endet die Krankheit bei Frauen häufiger tödlich

Wichtige Risikofaktoren: Rauchen und chemische Stoffe 

Heilungschancen: bei nicht-muskelinvasiven Tumoren bei etwa 80 Prozent

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