Therapeutisches Impfen

Ein Piks gegen den Krebs

Von Tobias Lemser · 2022

Das Immunsystem so zu unterstützen, dass es auch Tumoren erkennen und gezielt bekämpfen kann, ist der größte Wunsch krebskranker Menschen. Das Gute: Die Forschung kommt dem mit innovativen therapeutischen Impfungen Schritt für Schritt näher – mit teils vielversprechenden Ergebnissen.

Krebsimpfstoff
Krebsimpfstoffe lösen eine Reaktion des Immunsystems auf Tumorantigene aus. Foto: iStock / Toshe_O

Kein Thema, das derzeit so in aller Munde ist, wie das Impfen. Soll es uns in der Pandemie gegen COVID-19 schützen, könnten Vakzine zukünftig auch im onkologischen Bereich eine ganz entscheidende Rolle spielen. Und zwar nicht nur als Präventionsmittel – zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs gibt es eine solche Impfung bereits –, sondern vor allem als therapeutische Maßnahme im Kampf gegen Krebs.

Therapeutisches Impfen und Immunzellen mit neuen Eigenschaften

Krebszelle
Foto: iStock / Design Cells

Ziel von Impfstoffen gegen eine bestehende Krebserkrankung ist, eine Reaktion des Immunsystems auf Tumorantigene auszulösen und diese zu vernichten. Um den Impfstoff herzustellen, werden entweder Teile von Krebszellen oder ganze, nicht mehr wachstumsfähige Tumorzellen injiziert. Statt der direkten Spritzung von Antigenen gibt es alternativ die Möglichkeit, bestimmte Immunzellen zu entnehmen und sie außerhalb des Körpers mit Antigenen zu beladen. Die sogenannten dendritischen Zellen sind jene Zellen des Immunsystems, welche fremdartige Strukturen und entartete Zellen erkennen und deren Zerstörung anregen sollen. Ziel: Nach Verabreichung dieser im Reagenzglas angereicherten Immunzellen sollen diese weitere Immunzellen im Körper aktivieren und damit eine spezifische Abwehrreaktion des Immunsystems hervorrufen. Der Vorteil dabei: eine verbesserte Sichtbarkeit der Tumorantigene für das Immunsystem, wenn diese durch dendritische Zellen präsentiert werden.

Programmierter Zelltod

Unterstützung im Kampf gegen den Krebs bietet auch die ICD-Therapie (immunogenic cell death), die den immunogenen Zelltod auslösen soll. Normalerweise erneuern sich Zellen in lebenden Organismen permanent. Für die neu entstehenden Zellen müssen ältere weichen – sie sterben den vorgesehenen Zelltod, der keine Reaktion des Immunsystems hervorruft. Anders beim Tumor: Die Zellen bleiben bestehen und häufen sich an. Beim immunogenen Zelltod werden Tumorzellen viral infiziert. Sterben diese ab, erkennt das Immunsystem im Gegensatz zum regulären Zelltod die absterbenden Tumorzellen und erzeugt eine Immunantwort – der Tumor wird attackiert. Vielversprechende Ansätze im Kampf gegen den Krebs, die schon weit fortgeschritten sind und bereits zum Einsatz kommen, jedoch weiterer Forschung bedürfen, um noch mehr Krebskranken bestmöglich zu helfen.

Quellen:
dkfz: Immuntherapie: Methoden
BMBF: Immuntherapie: Therapeutische Impfung gegen Krebs

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