Emphysem der Lunge

Wenn die Lungenbläschen platzen

Von Peter Quäl · 2019

Eine Frau hält sich die Hand an die Brust. Thema: Emphysem der Lunge
Atemnot ist das häufigste Symptom eines Lungenemphysems. Foto: iStock/AntonioGuillem

In Deutschland leiden etwa eine Million Menschen, vor allem Raucher, an einem unheilbaren Lungenemphysem. Neben medikamentösen Therapien und speziellen Trainings kommen bei schweren Fällen auch chirurgische und minimalinvasive Eingriffe infrage.

Es begann bei der Arbeit. Elektriker Markus L. bekam immer häufiger Atemnot, musste immer wieder Pausen einlegen. Teilweise liefen seine Lippen blau an und auch die Nagelbetten verfärbten sich bläulich. Zuerst dachte er, das liege am Rauchen. Doch als es fast gar nicht mehr ging, fragte L. seinen Arzt. Der diagnostizierte ein Lungenemphysem. Ein Lungenfunktionstest, eine Blutgasanalyse und schließlich eine Computertomografie der Lunge brachten Gewissheit. 

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Ein Patient unter vielen

Markus L. steht hier fiktiv für all die Patienten, die jedes Jahr an einem Lungenemphysem erkranken. Etwa eine Million Menschen sind es in Deutschland – vor allem Raucher über 50 Jahre. Bei der Krankheit sind die Lungenbläschen, die für den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid sorgen, teilweise zerstört und überdehnt, sodass ihre innere Oberfläche verkleinert ist. Die Folge: Betroffene können nur noch schwer ausatmen, weil die kleinen Bronchien, die in die Lungenbläschen münden, in sich zusammenfallen. Doch wer nicht ausatmet, kann auch nicht wieder einatmen und damit neuen Sauerstoff aufnehmen. Zudem kommt es zu einer zunehmenden Überblähung der Lunge. 

Bei einem gesunden Menschen nehmen die Lungenbläschen – auseinandergebreitet – eine Fläche von etwa 200 Quadratmetern ein. Beim Emphysem wird die Fläche durch Zerstörung der inneren Oberfläche kleiner. Weil dadurch der Atemfluss gestört ist, nimmt der Sauerstoffgehalt im Blut ab. Typische Symptome sind Atemnot, vor allem bei körperlicher Belastung, und schnelle Erschöpfung. Im fortgeschrittenen Stadium kommt Gewichtsabnahme hinzu. Ein Lungenemphysem entsteht in der Vielzahl der Fälle als Folgeerkrankung einer COPD, also einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung. Wenn die für diese Atemwegserkrankung typischen Entzündungsprozesse auch die Lungenbläschen erreichen, tritt zur COPD ein Emphysem hinzu

Emphysem der Lunge: Bisher nicht heilbar

Lungenemphyseme sind bisher nicht heilbar. Allerdings kann der Verlauf der Krankheit gebremst werden. Bei Rauchern entscheidend ist natürlich, dass sie das Rauchen aufgeben. Die medikamentöse Therapie, zum Beispiel durch bronchienerweiternde Anticholinergika oder entzündungshemmendes Cortison, richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Sie wird durch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Patientenschulung, Physiotherapie und körperliches Training ergänzt. 

Reicht das alles nicht aus, kann in schweren Fällen ein chirurgischer oder minimalinvasiver Eingriff erfolgen. Bei der chirurgischen Methode werden die am stärksten zerstörten Lungenabschnitte entfernt. Ein anderer Weg ist der Einsatz von Endobronchialventilen (EBV). Sie werden minimalinvasiv endoskopisch in die Lunge eingesetzt, ohne dass hierzu Schnitte in der Haut notwendig sind. Das Volumen in den erkrankten Bereichen der Lunge wird weniger. Die gesünderen Bereiche können sich dagegen ausdehnen und effizienter arbeiten, wodurch wieder mehr Luft in die Lunge gelangen kann.

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